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Weißenburg (Bayern)

 „Wie hast du das nur gemacht?“ – Zaubern als Möglichkeit der Förderung von Denkleistungen bei Schülern mit geistiger Behinderung

So stolz hatte ich meine Schüler selten gesehen. Nach einem neunwöchigen Zauberkurs durften die Zauberschüler des Zauberkurses der Römerbrunnenschule Weißenburg, einem Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in Bayern, ihre gelernten Zaubertricks vor Mitschülern und Lehrern im Rahmen der Abschlussfeier zeigen. Auch wenn die einstudierten Tricks der geistig behinderten Kinder und Jugendlichen nicht immer perfekt klappten, waren die Zuschauer beeindruckt und verblüfft von den Künsten der Vorführenden. Letztere genossen sichtlich den Applaus und das Bad im Scheinwerferlicht – eine Situation, die ihnen im Alltag sonst kaum begegnet. Denn aufgrund ihrer geistigen Behinderung gelingt es ihnen nur selten ihr Umfeld auf solch unterhaltsame Art und Weise positiv zu beeindrucken.

Dass die Zauberei auf vielen Gebieten für meine Schüler positive Effekte haben könnte, erahnte ich als angehender Sonderschullehrer bereits in Vertretungsstunden, in denen ich aus Zeitvertreib den Schülern kleine Zauberkunststücke beibrachte. Besonders interessant war für mich die Frage, ob sich das Medium Zaubern zur unterrichtlichen Förderung der Denkleistungen geistig behinderter Kinder und Jugendlicher eignet. Gerade Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung könnten mit Hilfe der Zauberei ihre kognitiven Fähigkeiten schulen und wichtige Problemlösekompetenzen erwerben. Im Sachunterricht hatte ich bereits erlebt, dass die Schüler von überraschenden, manchmal zauberhaft anmutenden Experimenten kognitiv herausgefordert wurden und unbedingt hinter das Geheimnis des Versuchs gelangen wollten. Warum sollte dies durch Zaubertricks nicht auch oder sogar auf noch motivierendere Art und Weise funktionieren?

 

Angeregt durch die viele Literatur zum Zaubern und angeleitet durch die Fortbildung des „Projekt Magic“ machte ich mich an die Arbeit und gründete einen Zauberkurs an meiner Schule.

Ich entschied mich aus entwicklungspsychologischen Gründen dafür den Zauberkurs nur für ältere Schüler der Hauptschulstufe anzubieten. Die elf- bis fünfzehnjährigen Schüler sollten kognitiv nicht zu schwach aber auch nicht zu stark sein. Die elementarsten Voraussetzungen des Denkens wie das Wahrnehmung und Erkennen des Zaubertricks als Problem sollten sie bereits entwickelt haben. Wichtig war es mir zudem, schüchterne Kinder und Schüler, die kaum Erfolgserlebnisse und in kaum einem Gebiet richtig gut waren, in den Zauberkurs aufzunehmen. Zwar sollte das Denken im Vordergrund stehen, aber da ich bereits mit der Möglichkeit spielte, auch zum Schuljahresabschluss mit der Zaubergruppe aufzutreten, würden diese Schüler bestimmt Könnenserfahrungen machen, die Ihnen gut tun.

 

Neun Wochen lang kamen die acht Teilnehmer des Zauberkurses regelmäßig für eine Schuldoppelstunde zusammen, um Zaubertricks zu entlarven, die Tricks einzuüben und zu verbessern. Darüber hinaus bastelte jeder Zauberschüler einen Zauberkasten, bemalte seinen Zauberstab und gestaltete ein Zauberbuch für die Arbeitsblätter, um so in die Rolle des Zauberers schlüpfen zu können.

Nach einem Zauberritual zum Einstieg führte ich zu Beginn der Zauberstunden den zu erlernenden Zaubertrick vor und ließ die Schüler zunächst wilde Vermutungen über das Trickgeheimnis aufstellen. Nachdem ich durch das erneute Zeigen des Tricks einige Vermutungen ausschließen konnte, hielten wir die wahrscheinlichsten Lösungsmöglichkeiten und mögliche Hilfsmittel an der Tafel fest. In einer Versuchsphase erhielten die Schüler die Möglichkeit Partnerweise die Lösungsmöglichkeiten mit dem verwendeten Zaubermaterial anzuwenden und hinter das Trickgeheimnis zu kommen. Anschließen

 d besprachen wir gemeinsam die Ergebnisse. Konnten die Schüler die Trickmethode nicht entlarven, führte ich den Trick erneut ganz langsam vor und führte die Kinder etwas an die Lösung heran. Gemeinsam wiederholten wir den Handlungsablauf und versprachlichten unsere einzelnen Arbeitsschritte. Bilder zu den einzelnen Schritten halfen den Schülern dabei als Gedächtnisstütze. In Partnerarbeit übten die Kinder sogleich ausgiebig den Trick samt Zauberspruch ein. Bei auftauchenden Problemen versuchte ich den Schülern zu helfen. Am Ende der Stunde durfte jeder Zauberer den Trick vor den anderen Zauberkollegen vorführen. Die Zuschauer gaben hilfreiche Tipps, was der Vorführende noch an seiner Darbietungsweise verbessern könnte und wie auftretende Pannen elegant umgangen werden könnten.

 

 Durch die Akzentuierung der Unterrichtsstunden auf das Entlarven der Trickgeheimnisse mussten die Schüler ihre grauen Zellen in vielfacher Form betätigen. Die kleinen Zauberkünstler mussten Vermutungen über das Trickgeheimnis anstellen, plausible von weniger plausiblen Möglichkeiten zu unterscheiden und auf logische Weise das Trickgeheimnis lösen. Zudem mussten sie als Vorführende die Rolle des Beobachters einnehmen, um ihre Handlungen am Publikum auszurichten und zeitgleich als Beobachter in den Vorführenden hineinversetzen, um seinen Trick zu entschlüsseln oder um ihm eine Rückmeldung über das Ge- oder Misslingen des Zaubertricks zu geben.

 

 

Den Zauberkurs setze ich nun im neuen Schuljahr fort. Nun haben wir mehr Zeit uns auch komplexeren Zauberkunststücken zu widmen und ich merke, dass die Zauberer trotz ihrer begrenzten geistigen Möglichkeiten dank ihrer gelernten Vorgehensweisen und Fragetechniken schneller hinter das Trickgeheimnis gelangen als zu Beginn des Kurses. Zaubern stellt also meines Erachtens ein wirksames Mittel dar, geistig behinderte Schüler mit einer für sie neuen Methode zum Denken anzuregen.

 

Höxter

Aus einem Jahresbericht: Was tut sich Neues ?

Nachdem ich fast 5 Jahre mit meiner Frau und zwei weiteren Helferinnen in der Asklepios Weserberglandklinik mit Kindern, die überwiegenden an progressiver Muskeldystrophie erkrankt sind, im Project Magic arbeiten durfte, haben wir unsere Zielgruppe gewechselt. Für die Kinder war das Thema eigentlich „ausgelutscht“. Fast immer die selben Kinder, deren Krankheitsbild von Jahr zu Jahr sich im negativen Sinn geändert hat. Die Kunststücke sind vom Potential eingeschränkt, so das die Äußerungen“: Schon wieder das gleiche!“ das Projekt zum „AUS“ brachten.

Der Gedanke, mit Erwachsenen zu arbeiten, war schon vorher geboren. Diesen Gedanken jedoch der Klinikleitung zu verkaufen, brauchte einiges Verhandlungsgeschick. Schließlich bekam ich das >JA<. Das Krankheitsbild der genannten Zielgruppe geht vom Schlaganfall, bis eben zu der bekannten progressiven Muskeldystrophie. Der Vorteil mit den Erwachsenen zu arbeiten besteht darin, das der Aufenthalt im Schnitt 3 bis 4 Wochen dauert. Es besteht also ein ständiger Wechsel der Patienten.

Was können wir mit ihnen alles erarbeiten? Zunächst sei gesagt, das ich das Projekt alleine durchführe. Ich brauche keine Hilfe, was mir viel Gestaltungsfreiraum lässt.

Bei den genannten Krankheitsbildern besteht natürlich eine Störung der Feinmotorik. Ohne in die Arbeit der Ergotherapeuten einzugreifen, versuche ich hier die richtigen „Kunststücke „ herauszufinden. Da ich gelernter Masseur und med. Bademeister bin, kann ich mit meinen Kenntnissen in der Zauberei und auch vom Krankheitsbild her hier, so denke ich, gut eingreifen. Aber bei allem sehe ich den Faktor Spaß auch mit an erster Stelle. Ich denke, das es nicht unsere Aufgabe ist, hier ergotherapeutisch tätig zu werden und zu versuchen einen heilen Menschen zu „zaubern“.

Vielleicht löse ich mit diesen Gedanken eine Diskussion aus, die einen Nachgeschmack erzeugen könnte. Das wäre jedoch nicht in meinem Sinn. Ich sehe das nur von meiner Sicht und von meiner Arbeit aus.

Die Frage, die allen, die an unserem Projekt interessiert sind, was machen oder besser gesagt, was zeigen wir unseren „Kunden?“ Bei der Problematik der Kürze der Zeit, der persönlichen Fähigkeiten sowieso, aber auch der Frage des Trickverrats (da möchte ich gleich noch mal Stellung zu nehmen), was bleibt da noch übrig, als das was in unseren –Lehrbüchern- steht. Ich habe in meinem Programm die:
Springenden Gummis,
die Zauberknoten,
die Schwammbälle
und Luftballons modellieren

abgestimmt.

Es sind ausgefüllte Abende, jeweils Montag von 19.00 bis 20.00 Uhr. Zu kurz kommt auch nicht das Gespräch. Der eine oder andere erzählt schon mal über seine Sorgen, was auch ein Teil unseres Programms sein sollte.

Während dieser Stunde, zeige ich hin und wieder ein oder zwei Kunststücke, um den Abend etwas lockern, unter anderem den Tücherwechsel mit der DS. Ein Kunststück, das bei den Patienten immer große Wirkung zeigt. Wenn jemand dabei ist, dem ich das von seiner Motorik auch von seinem Interesse her zutraue, dann zeige ich ihm dieses Stück und verkaufe dann auch die Requisiten dazu. (zum Einkaufspreis. Das haben Kollegen aus meinem Zirkel erfahren und mir Vorwürfe gemacht. Ich würde „Trickverrat“ begehen. Ich denke, wir stehen alle unter diesem „Druck“. Wie geht Ihr damit um, wo sind die Grenzen des Trickverrats? Ein sehr heißes Thema.)

Euch allen eine gute Zeit und gute Erfolge.

Werner Puschmann

Würzburg

Jedes neue Schuljahr schließen sich viele neue Zauberlehrlinge der Zaubergruppe an. In diesem Sinne haben sich die letzten Jahre auch schon mal bis zu 30 Mädchen und Jungen angemeldet, wovon dann aber in der Regel nur 10-15 Zauberlehrlinge "übrig geblieben" sind. Die anderen Schüler haben schnell festgestellt, dass die Zauberei nämlich nicht einfach mit einem Zauberstab völlig automatisch oder durch Einnahme einer "magischen Tablette" funktioniert, sondern doch viel Anstrengung und Übung notwendig ist.

In einem Jahr gehören 11 Zauberlehrlinge zu unserer Gruppe, wovon nur 4 Zauberer auch schon im letzten Jahr bzw. in den letzten Jahren dabei waren. So gilt es den neuen Lehrlingen erst einmal die Grundkenntnisse der Zauberkunst zu vermitteln. Mitte des Jahres ist dann ein Auftritt bei einem Schüler-Zirkusfestival in Würzburg.

Beim Sommerfest der Schule, bei dem es um Kunst ging, begeistertern die Mitglieder der Zaubergruppe nicht nur durch das fehlerfreie Vorführen der Kunststücke, sondern auch vor allem durch ihr sicheres und wortgewandtes Auftreten auf der Bühne vor 300 Zuschauern! Und das obwohl noch Minuten vor den Auftritten wegen der großen Aufregung beinahe die ein oder andere Träne geflossen wäre.

Es war wirklich eine beeindruckende Leistung auf die alle Künstler natürlich sehr stolz waren und sind.

 

Archiv

Berlin

Schüler einer Sprachheilschule und einer Schule für Lernbehinderte haben in den letzten Jahren an Arbeitsgemeinschaften mit dem Thema „Zaubern" teilgenommen.

6 von ihnen sind im März 2001 von der Humboldt- Universität zu Berlin zu einer Tagung eingeladen worden. Dort zauberten sie vor 500 Zuschauern, die sich aus Schulleitern, Lehrern und Professoren zusammensetzten und waren von der Leichtigkeit mit denen sie zauberten begeistert

Aufgrund ihrer Lernbehinderung bzw. Sprachbehinderung haben sie häufig auch hohe Defizite im Selbstvertrauen, standen aber nun im Mittelpunkt – bei einer Tagungen über Therapiemöglichkeiten, und Verbesserung des Lehrstoffs- und waren den Erwachsenen überlegen.

„Es gibt wohl kaum eine bessere Möglichkeit, mangelndes Selbst-vertrauen aufzubauen. Schüler mit Lernbehinderung weisen Rück-stände und einen Mangel an feinmotorischer Geschicklichkeit auf. Es gibt natürlich kein eigenständiges Unterrichtsfach, in dem auf diese Problematik eingegangen werden kann. Dies würde die Schüler zudem wahrscheinlich auch sehr schnell langweilen, bzw. sie zusätzlich frustrieren. Beim Zaubern aber wird die Geschicklichkeit quasi nebenbei trainiert und setzt sich dann auch in einer besseren Handschrift um.“( Zitiert aus dem Jahresbericht von Ilona Eichler – Logopädin und Project Magic Mitglied )Angeboten werden auch Schulungen, so wie vergangen Jahres. Logopäden nahmen an einem Seminar „Project- Magie" teil und betten nun verschiedene Zaubertricks in ihre sprachheilpäda-gogische Arbeit ein. Besonders fasziniert waren sie von den vielfältigen Möglichkeiten, die ihnen das Zaubern im Therapiealltag bietet: Kontaktaufbau mit den Klienten, einfache Provokation der Spontansprache eines Kindes, Rahmenthema um die Therapie herum, Möglichkeit die Stimme in einem spielerischen Kontext variieren zu lassen...

Im kommenden Schuljahr 2002/2003 wird nun an der Paul- Braune- Schule -Schule für Lernbehinderte- eine weitere Arbeitsgemein-schaft „ Zaubern “ gebildet.

Duisburg

Meine erste Ausbildung habe ich als Betriebsschlosser absolviert, danach wurde ich Erzieher. Heute bin ich Diplom Sozialpädagoge. Als Zusatzqualifikationen habe ich eine personenzentrierte Ausbildung in der Gesprächsführung nach Rogers. Seit ungefähr 14 Jahren bin ich Hobbyzauberer und setze diese Fähigkeit seit dieser Zeit in den unterschiedlichsten sozialpädagogischen Arbeitsfeldern ein. Anfänglich in dem Kinder- und Jugendbereich, danach bei Doppeltdiagnostikern „psychisch krank und suchtkrank“ und seit 5 Jahren in einer Rehabilitationseinrichtung für psychisch kranke junge Frauen und Männer. Anfänglich wollte ich die Zauberei als eine Freizeitbeschäftigung anbieten. Doch schnell merkte ich die Vorteile dieses Mediums in meiner Arbeit kennen und machte sie mir zu nutzen, später lernte ich dann Projekt Magic kennen und fühlte mich durch diese Arbeit in meiner Arbeit bestätigt.

Besonders in den letzten 5 Jahren habe ich eine ganze Reihe an Erfahrungen gewinnen können. Die Arbeit in einer Rehabilitationseinrichtung für psychisch Kranke stellt eine große Herausforderung dar. Ich arbeite regelmäßig mit einer Gruppe um die 9 Klienten. Unsere Klienten unterliegen starken psychischen Schwankungen, die immer wieder zu Aufenthalten in den psychiatrischen Krankenhäusern führen können. Dabei handelt es sich um Grunderkrankungen, wie Psychosen, Neurosen und Persönlichkeitsstörungen und zum Teil lang anhaltenden Verhaltensstörungen mit zunehmender Chronifizierung.

Ich vermittele Zaubertricks die je nach Grunderkrankung therapeutische Ziele unterstützen sollen. Diese therapeutischen Ziele decken sich mit Zielen, die wir in unserer Einrichtung unter anderem in dem ergotherapeutischen Bereich verfolgen:

Die instrumentellen Anteile der Arbeit:  elementare Fähigkeiten: Ausdauer, Genauigkeit, Sorgfalt, Gedächtnisleistung, Körperhaltung, Konzentration und Aufmerksamkeit.  Spezielle Fähigkeiten und Fertigkeiten: Sprachlogisches Verständnis, Umgang mit Zahlenmaterial, räumliches Vorstellungsvermögen, formal logisches Verständnis Die sozio-emotionalen Anteile der Arbeit:  Im emotionalen Bereich Initiative, Antrieb, Motivation, Interesse  Im Bereich des Selbstbildes: Selbstvertrauen, Selbstständigkeit, Rollenverhalten, Verantwortung  Im sozialen zwischenmenschlichen Bereich: Kontakt zu Einzelnen und zur Gruppe, Integration und kooperative Zusammenarbeit, Anpassung und Durchsetzung und auch Training der Übernahme unterschiedlicher Rollen.

Während sich fast jeder Mensch der speziellen beruflichen Fähigkeiten und Fertigkeiten und eventuell noch der elementaren Fähigkeiten seiner Arbeit bewusst ist, werden die sozio-emotionalen Anteile der Arbeit weitgehend ignoriert. Erst wenn diese gestört sind -und dies ist bei psychisch Kranken oft sehr häufig der Fall- beginnt das Nachdenken über diesen Teil der Fähigkeiten.

Hier an dieser Stelle greift das Zauberprojekt besonders gut. Dieses einzigartige Medium bietet gerade in diesem Bereich einen schnellen Erfolg. Während es im instrumentellen Anteil der Arbeit (in der Zaubergruppe) um Training geht und hier wie bei vielen anderen Ansätzen die Gefahr besteht, dass durch anfänglichen Misserfolg und Trainingsmüdigkeit es zu Enttäuschung und schließlich zur Aufgabe führt, sind die Erfolge anders, wenn man Tricks benutzt, die keine Vorbereitung oder Fingerfertigkeiten benötigen, die beim ersten Gebrauch zum Erfolg führen. Zum Beispiel das Sprungtuch, ein Tuch das sichtbar von einen Glas zum anderen springt, für die Zuschauer die hohe Kunst der Magie; für den Zauberlehrling ein direkter Erfolg. Durch den einfachen direkten Erfolg kommt eine eigene Motivation, weiter zu machen, das Selbstwertgefühl steigt und man steht (vielleicht nach langer Zeit) positiv im Mittelpunkt. Dieses Tragen wir nach außen, in dem wir unser Können zeigen. Bei Auftritten in anderen Einrichtungen während Sommer-, Weihnachts- und sonstigen Festen. Dabei haben wir im Jahr circa 7-9 Auftritte. Durch die ständige persönliche Weiterentwicklung unserer Klienten und die damit verbundene Neuorientierung in andere Wohnformen, unterliegt meine Zaubergruppe einem ständigen Wechsel. In der Regel habe ich meine Zauberer für circa 1 ½ Jahre in meiner Zaubergruppe.

Die Identifikation der Mitglieder ist sehr hoch. Heute kann ich sagen, dass bei der Arbeit mit psychisch Kranken die Zauberei als therapeutisches Medium eine große Bereicherung meiner Arbeit ist. Der Höhepunkt der Zaubergruppe war der Besuch zur World Tour von David Copperfield in Oberhausen. Leider hatte er zwischen zwei Vorstellungen keine Zeit für uns, es reichte gerade für fünf Autogramme. Aber trotzdem ein riesiges Dankeschön von allen Mitgliedern der Zaubergruppe an Projekt Magic, das uns den Besuch ermöglichte.

Und noch was in eigener Sache. Ich bin an Konzepten, Diplomarbeiten, Erfahrungen und Ideen von Kollegen interessiert, die mit den unterschiedlichsten Klienten zaubern.

 

Höxter

 

In der Weserberglandklinik zaubert Werner Puschmann mit Kindern und Jugendlichen. Die muskelkranken Jungzauberer befinden sich dort zur staionären Rehabilitation und verbleiben meist zwischen 3-4 Wochen dort.

Der Hobby Magier und ehemalige Masseur zaubert bereits seit 1980 und erarbeitet zweimal in der woche mit 7 bis 12 jährigen Zaubertricks aus den Sparten Mentalmagie und Kartenzauberei.

Das Klinikpersonal ist ebenfalls mit einbezogen. Der gemeinsame Auftritt verschafft den Kindern und Jugendlichen enormes Selbstwertgefühl. Die Sensomotorik wird verbessert und unterstützt das therapeutische Muskelaufbautraining, welches die Kinder in ihrer Rehabilitation absolvieren müssen. Zudem kommt ein enormer Spassfaktor hinzu. Die Kinder und Jugendliche finden Zugehörigkeit und könne Erfahrungen austauschen, was sie in ihrem sozialen Umfeld so bisher nicht kennen.

Gedanken von Werner Puschmann: Nachdem ich fast 5 Jahre mit meiner Frau und zwei weiteren Helferinnen in der Asklepios Weserberglandklinik mit Kindern, die überwiegenden an progressiver Muskeldystrophie erkrankt sind, im Project Magic arbeiten durfte, haben wir unsere Zielgruppe gewechselt. Für die Kinder war das Thema eigentlich „ausgelutscht“. Fast immer die selben Kinder, deren Krankheitsbild von Jahr zu Jahr sich im negativen Sinn geändert hat. Die Kunststücke sind vom Potential eingeschränkt, so das die Äußerungen“: Schon wieder das gleiche!“ das Projekt zum „AUS“ brachten.

Der Gedanke, mit Erwachsenen zu arbeiten, war schon vorher geboren. Diesen Gedanken jedoch der Klinikleitung zu verkaufen, brauchte einiges Verhandlungsgeschick. Schließlich bekam ich das >JA<. Das Krankheitsbild der genannten Zielgruppe geht vom Schlaganfall, bis eben zu der bekannten progressiven Muskeldystrophie. Der Vorteil mit den Erwachsenen zu arbeiten besteht darin, das der Aufenthalt im Schnitt 3 bis 4 Wochen dauert. Es besteht also ein ständiger Wechsel der Patienten.

Was können wir mit ihnen alles erarbeiten? Zunächst sei gesagt, das ich das Projekt alleine durchführe. Ich brauche keine Hilfe, was mir viel Gestaltungsfreiraum lässt.

Bei den genannten Krankheitsbildern besteht natürlich eine Störung der Feinmotorik. Ohne in die Arbeit der Ergotherapeuten einzugreifen, versuche ich hier die richtigen „Kunststücke „ herauszufinden. Da ich gelernter Masseur und med. Bademeister bin, kann ich mit meinen Kenntnissen in der Zauberei und auch vom Krankheitsbild her hier, so denke ich, gut eingreifen. Aber bei allem sehe ich den Faktor Spaß auch mit an erster Stelle. Ich denke, das es nicht unsere Aufgabe ist, hier ergotherapeutisch tätig zu werden und zu versuchen einen heilen Menschen zu „zaubern“.

Vielleicht löse ich mit diesen Gedanken eine Diskussion aus, die einen Nachgeschmack erzeugen könnte. Das wäre jedoch nicht in meinem Sinn. Ich sehe das nur von meiner Sicht und von meiner Arbeit aus.

Die Frage, die allen, die an unserem Projekt interessiert sind, was machen oder besser gesagt, was zeigen wir unseren „Kunden?“ Bei der Problematik der Kürze der Zeit, der persönlichen Fähigkeiten sowieso, aber auch der Frage des Trickverrats (da möchte ich gleich noch mal Stellung zu nehmen), was bleibt da noch übrig, als das was in unseren –Lehrbüchern- steht.

Ich habe in meinem Programm die:
Springenden Gummis,
die Zauberknoten,
die Schwammbälle
und Luftballons modellieren

abgestimmt.

Es sind ausgefüllte Abende, jeweils Montag von 19.00 bis 20.00 Uhr. Zu kurz kommt auch nicht das Gespräch. Der eine oder andere erzählt schon mal über seine Sorgen, was auch ein Teil unseres Programms sein sollte.

Während dieser Stunde, zeige ich hin und wieder ein oder zwei Kunststücke, um den Abend etwas lockern, unter anderem den Tücherwechsel mit der DS. Ein Kunststück, das bei den Patienten immer große Wirkung zeigt. Wenn jemand dabei ist, dem ich das von seiner Motorik auch von seinem Interesse her zutraue, dann zeige ich ihm dieses Stück und verkaufe dann auch die Requisiten dazu. (zum Einkaufspreis. Das haben Kollegen aus meinem Zirkel erfahren und mir Vorwürfe gemacht. Ich würde „Trickverrat“ begehen. Ich denke, wir stehen alle unter diesem „Druck“. Wie geht Ihr damit um, wo sind die Grenzen des Trickverrats? Ein sehr heißes Thema.)

Euch allen eine gute Zeit und gute Erfolge.

Werner Puschmann

 

Landstuhl

 

Im Februar 2004 fand für Lehrer, Erzieher und Therapeuten in Landstuhl unter der Leitung von Herrn Mike Petry eine Fortbildung zum Thema Zaubern in der Therapie u.a. mit Bau von Requisiten statt.

Nach dieser Fortbildung gründeten zwei Lehrer und eine Ergotherapeutin eine Zauber- AG, die sich wöchentlich einmal trifft. Derzeit nehmen 10 Kinder daran teil, mit dem Ziel im Februar 2005 ihren ersten Auftritt zu absolvieren.

Herr Petry zauberte den Kindern Dinge vor, die sie kaum glaubten selber mit ihrer Behinderung zu beherrschen, aber sie sind auf dem besten Wege. Unterstützt werden sie weiterhin von den Lehrern und der Therapeutin. Herr Petry, selbst Pysiotherapeut und Zauberer hilft mit Tipps und Tricks aus.

 

Neckargmünd

 

Therapeuten des Fachkrankenhaus Neckargemünd, der Stiftung Rehabilitation Heidelberg ( SRH ) nahmen im Juli 2007 an einer Therapeutenschulung für Project Magic teil. Eine zweite Trickbook 1 Schulung fand im Oktober 2007 statt. Die Fachklinik bietet im Bereich der neuropädiatrischen Rehabilitation sowie der Akutversorgung in einem Pilotprojekt innerhalb der Circusgruppe auch das Zaubern als alternatives Therapiemedium an. Weitere Schulungen sind in der Einrichtung geplant. Der Aufbau einer klinikeigenen Zaubergruppe wird in Kürze umgesetzt.

Das Gruppenfoto zeigt die 12 Kursteilnehmer und die Dozenten vor ihren Therapieräumen in der Physiotherapie

Schwalmstadt

In der Zeit von September 2005 bis Juli 2006 hatte ich eine Konzentrations- und Sozialtrainingsgruppe - mit 4 Kindern 3 Jungen und 1 Mädchen im Alter von ca. 8Jahren- mit der ich ein neues Konzept durchführte. - Wir zauberten! Zwei der Kinder haben die Diagnose ADHS.

Zuerst musste sich jeder eine Zauberkiste und einen Zauberstab basteln, denn ohne diese wichtigen Utensilien ging gar nichts. Wir trafen uns einmal die Woche für eine Zeitstunde. Anfänglich war es schwierig Ruhe in die Gruppe zu bekommen. Aber mit einem neuen Zauberkunststück war es dann recht einfach. Es wurde probiert bis das es klappte. Jedes Kind fand für sich heraus, was ihm Spaß machte. Schnell wurde klar, dass wir zum Abschluss der Gruppe den Eltern zeigen wollten, was in dem Zeitraum gelernt worden war. Wichtig war auch für die Kinder, dass die Eltern nicht erfuhren, welche Zauberkunststücke wir lernten und einübten. Wir stiegen durch Postkarten und zauberten Palmen; wir zauberten aus einem Papierstreifen einen ganz großen und auch Handschellen in groß; wir zeigten, dass wir zu den Elf-Finger-Menschen gehören und erzählten die Geschichte von der Feenrakete, die wir dann auch steigen ließen.

Als dann die Abschlussvorstellung soweit war, war die Anspannung bei den Kindern so groß, dass selbst ich es kaum aushielt. Die Vorstellung war ein voller Erfolg. Die Eltern, Geschwister und Großeltern kamen und staunten, über das was ihre Kinder vorzauberten. Es klappte alles und mit nur einer kleinen Panne wurde die Vorstellung zu einer runden Sache. - Auch die Einladungen für unsere Vorstellung wurde von den Kindern selbst geschrieben und gestaltet, was für den ein oder anderen fast eine Herausforderung war. Es war auf jeden Fall ein Projekt, dass ich wiederholen werde.

Neckargemünd

Zauberhafte Therapie für sechs Kinder in der Kinderklinik am SRH Fachkrankenhaus Neckargemünd

In Neckargemünd werden Kinder und Jugendlichen mit angeborenen und erworbenen Erkrankungen des zentralen Nervensystems (z.B. nach schweren Kopfverletzungen, Schlaganfall oder angeborener Spastik) behandelt. Für eine kleine Gruppe von 6 Kindern mit einer armbetonten Halbseitenlähmung dauerte die Spezialtherapie 12 Tage.

Es wurde eine Behandlung in Anlehnung an die  „Forced Use Therapie" durchgeführt, was soviel heißt wie: der betroffene gelähmte Arm bzw. die Hand wird zum Handeln gezwungen.

Die geschicktere Hand wird mittels eines abnehmbaren Handschuhs vorübergehend „in Urlaub" geschickt, und so ist die schwache Hand gezwungen, wieder aktiver und tätiger zu werden.

In spannenden 12 Tagen wurden die sechs Kinder zum Zweck der Handtherapie spielerisch in die hohe Kunst des Zauberns eingeführt. Die kranken und plötzlich magischen Hände lernten geschickt Gegenstände verschwinden zu lassen, magische Knoten entstehen zu lassen und viele zauberhaften Dinge mehr.

Am letzten Therapietag war der große Moment gekommen und die kleinen Magier konnten ihr Können vor großem Publikum zeigen. Die begeisterten Eltern und vielen anderen Zuschauer staunten nicht schlecht, was die Kinder mit höchster Motivation und sehr stolz vorführten. Zum Lohn für die tolle Show ernteten die Kinder stehenden Applaus und mussten sogar für Zugaben noch einmal auf die Bühne kommen.

Das therapeutische „Forced use Team" am Fachkrankenhaus, bestehend aus den Bereichen Motopädie, Ergo- und Musiktherapie kann bereits seit über 5 Jahren auf weitreichende Erfahrung mit der Behandlung in Anlehnung an die „Force Use Therapie" zurückblicken. Birgit Keuerleber

Zaubererfahrung

Im SRH Fachkrankenhaus Neckargemünd fanden 2007 zwei Project Magic Trickbook 1 Schulungen und eine Trickbook 2 Schulung statt. (Bilder von den Schulungen siehe weiter unten)

In dieser Kinderklinik werden pro Jahr über 500 Kinder mit Kopfverletzungen, Schlaganfällen, Halbseitenlähmungen und weiteren neurologischen Erkrankungen behandelt. Zwei weitere Schwerpunkte sind rheumatologische und psychosomatische Erkrankungen.

Die Kurtsteilnehmer in Neckargemünd kamen aus allen Fachdisziplinen (Klinikschule, Pflege, Ergo- Logo- und Physiotherapie, Motopädie und Medizin).

In unterschiedlichen Kleingruppen (z.B. Zirkusgruppe , Zaubergruppe) finden die Elemente des Zauberns Anwendung. Genauso studieren wir in der Einzeltherapie Zaubertricks ein. Immer wieder werden kleine Aufführungen in unterschiedlichem Rahmen (im Spielzimmer, vor den Eltern usw.) durchgeführt.

Nicht nur das Training von Feinmotorik, sondern insbesondere die Schulung von Handlungsplanung, Konzentration, Gedächtnis und Motivation ist durch das Erlernen von Zaubertricks hervorragend möglich.

Das Präsentieren der Tricks vor Publikum hat tolle Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl unserer Patienten – „Ich kann etwas, was Andere nicht können“.

Das Zaubern ist eine sehr gute Ergänzung zu unseren bisherigen Behandlungsmethoden. Wir freuen uns schon sehr auf die nächsten Zauberfortbildungen in unserer Klinik in Neckargemünd.

Birgit Keuerleber (Motopädin im Fachkrankenhaus SRH- Neckargemünd)

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