Schüler einer Sprachheilschule und einer Schule für Lernbehinderte haben in den letzten Jahren an Arbeitsgemeinschaften mit dem Thema „Zaubern" teilgenommen.
6 von ihnen sind im März 2001 von der Humboldt- Universität zu Berlin zu einer Tagung eingeladen worden. Dort zauberten sie vor 500 Zuschauern, die sich aus Schulleitern, Lehrern und Professoren zusammensetzten und waren von der Leichtigkeit mit denen sie zauberten begeistert
Aufgrund ihrer Lernbehinderung bzw. Sprachbehinderung haben sie häufig auch hohe Defizite im Selbstvertrauen, standen aber nun im Mittelpunkt – bei einer Tagungen über Therapiemöglichkeiten, und Verbesserung des Lehrstoffs- und waren den Erwachsenen überlegen.
„Es gibt wohl kaum eine bessere Möglichkeit, mangelndes Selbst-vertrauen aufzubauen. Schüler mit Lernbehinderung weisen Rück-stände und einen Mangel an feinmotorischer Geschicklichkeit auf. Es gibt natürlich kein eigenständiges Unterrichtsfach, in dem auf diese Problematik eingegangen werden kann. Dies würde die Schüler zudem wahrscheinlich auch sehr schnell langweilen, bzw. sie zusätzlich frustrieren. Beim Zaubern aber wird die Geschicklichkeit quasi nebenbei trainiert und setzt sich dann auch in einer besseren Handschrift um.“( Zitiert aus dem Jahresbericht von Ilona Eichler – Logopädin und Project Magic Mitglied )Angeboten werden auch Schulungen, so wie vergangen Jahres. Logopäden nahmen an einem Seminar „Project- Magie" teil und betten nun verschiedene Zaubertricks in ihre sprachheilpäda-gogische Arbeit ein. Besonders fasziniert waren sie von den vielfältigen Möglichkeiten, die ihnen das Zaubern im Therapiealltag bietet: Kontaktaufbau mit den Klienten, einfache Provokation der Spontansprache eines Kindes, Rahmenthema um die Therapie herum, Möglichkeit die Stimme in einem spielerischen Kontext variieren zu lassen...
Im kommenden Schuljahr 2002/2003 wird nun an der Paul- Braune- Schule -Schule für Lernbehinderte- eine weitere Arbeitsgemein-schaft „ Zaubern “ gebildet.
Meine erste Ausbildung habe ich als Betriebsschlosser absolviert, danach wurde ich Erzieher. Heute bin ich Diplom Sozialpädagoge. Als Zusatzqualifikationen habe ich eine personenzentrierte Ausbildung in der Gesprächsführung nach Rogers. Seit ungefähr 14 Jahren bin ich Hobbyzauberer und setze diese Fähigkeit seit dieser Zeit in den unterschiedlichsten sozialpädagogischen Arbeitsfeldern ein. Anfänglich in dem Kinder- und Jugendbereich, danach bei Doppeltdiagnostikern „psychisch krank und suchtkrank“ und seit 5 Jahren in einer Rehabilitationseinrichtung für psychisch kranke junge Frauen und Männer. Anfänglich wollte ich die Zauberei als eine Freizeitbeschäftigung anbieten. Doch schnell merkte ich die Vorteile dieses Mediums in meiner Arbeit kennen und machte sie mir zu nutzen, später lernte ich dann Projekt Magic kennen und fühlte mich durch diese Arbeit in meiner Arbeit bestätigt.
Besonders in den letzten 5 Jahren habe ich eine ganze Reihe an Erfahrungen gewinnen können. Die Arbeit in einer Rehabilitationseinrichtung für psychisch Kranke stellt eine große Herausforderung dar. Ich arbeite regelmäßig mit einer Gruppe um die 9 Klienten. Unsere Klienten unterliegen starken psychischen Schwankungen, die immer wieder zu Aufenthalten in den psychiatrischen Krankenhäusern führen können. Dabei handelt es sich um Grunderkrankungen, wie Psychosen, Neurosen und Persönlichkeitsstörungen und zum Teil lang anhaltenden Verhaltensstörungen mit zunehmender Chronifizierung.
Ich vermittele Zaubertricks die je nach Grunderkrankung therapeutische Ziele unterstützen sollen. Diese therapeutischen Ziele decken sich mit Zielen, die wir in unserer Einrichtung unter anderem in dem ergotherapeutischen Bereich verfolgen:
Die instrumentellen Anteile der Arbeit: elementare Fähigkeiten: Ausdauer, Genauigkeit, Sorgfalt, Gedächtnisleistung, Körperhaltung, Konzentration und Aufmerksamkeit. Spezielle Fähigkeiten und Fertigkeiten: Sprachlogisches Verständnis, Umgang mit Zahlenmaterial, räumliches Vorstellungsvermögen, formal logisches Verständnis Die sozio-emotionalen Anteile der Arbeit: Im emotionalen Bereich Initiative, Antrieb, Motivation, Interesse Im Bereich des Selbstbildes: Selbstvertrauen, Selbstständigkeit, Rollenverhalten, Verantwortung Im sozialen zwischenmenschlichen Bereich: Kontakt zu Einzelnen und zur Gruppe, Integration und kooperative Zusammenarbeit, Anpassung und Durchsetzung und auch Training der Übernahme unterschiedlicher Rollen.
Während sich fast jeder Mensch der speziellen beruflichen Fähigkeiten und Fertigkeiten und eventuell noch der elementaren Fähigkeiten seiner Arbeit bewusst ist, werden die sozio-emotionalen Anteile der Arbeit weitgehend ignoriert. Erst wenn diese gestört sind -und dies ist bei psychisch Kranken oft sehr häufig der Fall- beginnt das Nachdenken über diesen Teil der Fähigkeiten.
Hier an dieser Stelle greift das Zauberprojekt besonders gut. Dieses einzigartige Medium bietet gerade in diesem Bereich einen schnellen Erfolg. Während es im instrumentellen Anteil der Arbeit (in der Zaubergruppe) um Training geht und hier wie bei vielen anderen Ansätzen die Gefahr besteht, dass durch anfänglichen Misserfolg und Trainingsmüdigkeit es zu Enttäuschung und schließlich zur Aufgabe führt, sind die Erfolge anders, wenn man Tricks benutzt, die keine Vorbereitung oder Fingerfertigkeiten benötigen, die beim ersten Gebrauch zum Erfolg führen. Zum Beispiel das Sprungtuch, ein Tuch das sichtbar von einen Glas zum anderen springt, für die Zuschauer die hohe Kunst der Magie; für den Zauberlehrling ein direkter Erfolg. Durch den einfachen direkten Erfolg kommt eine eigene Motivation, weiter zu machen, das Selbstwertgefühl steigt und man steht (vielleicht nach langer Zeit) positiv im Mittelpunkt. Dieses Tragen wir nach außen, in dem wir unser Können zeigen. Bei Auftritten in anderen Einrichtungen während Sommer-, Weihnachts- und sonstigen Festen. Dabei haben wir im Jahr circa 7-9 Auftritte. Durch die ständige persönliche Weiterentwicklung unserer Klienten und die damit verbundene Neuorientierung in andere Wohnformen, unterliegt meine Zaubergruppe einem ständigen Wechsel. In der Regel habe ich meine Zauberer für circa 1 ½ Jahre in meiner Zaubergruppe.
Die Identifikation der Mitglieder ist sehr hoch. Heute kann ich sagen, dass bei der Arbeit mit psychisch Kranken die Zauberei als therapeutisches Medium eine große Bereicherung meiner Arbeit ist. Der Höhepunkt der Zaubergruppe war der Besuch zur World Tour von David Copperfield in Oberhausen. Leider hatte er zwischen zwei Vorstellungen keine Zeit für uns, es reichte gerade für fünf Autogramme. Aber trotzdem ein riesiges Dankeschön von allen Mitgliedern der Zaubergruppe an Projekt Magic, das uns den Besuch ermöglichte.
Und noch was in eigener Sache. Ich bin an Konzepten, Diplomarbeiten, Erfahrungen und Ideen von Kollegen interessiert, die mit den unterschiedlichsten Klienten zaubern.
In der Weserberglandklinik zaubert Werner Puschmann mit Kindern und Jugendlichen. Die muskelkranken Jungzauberer befinden sich dort zur staionären Rehabilitation und verbleiben meist zwischen 3-4 Wochen dort.
Der Hobby Magier und ehemalige Masseur zaubert bereits seit 1980 und erarbeitet zweimal in der woche mit 7 bis 12 jährigen Zaubertricks aus den Sparten Mentalmagie und Kartenzauberei.
Das Klinikpersonal ist ebenfalls mit einbezogen. Der gemeinsame Auftritt verschafft den Kindern und Jugendlichen enormes Selbstwertgefühl. Die Sensomotorik wird verbessert und unterstützt das therapeutische Muskelaufbautraining, welches die Kinder in ihrer Rehabilitation absolvieren müssen. Zudem kommt ein enormer Spassfaktor hinzu. Die Kinder und Jugendliche finden Zugehörigkeit und könne Erfahrungen austauschen, was sie in ihrem sozialen Umfeld so bisher nicht kennen.
Gedanken von Werner Puschmann: Nachdem ich fast 5 Jahre mit meiner Frau und zwei weiteren Helferinnen in der Asklepios Weserberglandklinik mit Kindern, die überwiegenden an progressiver Muskeldystrophie erkrankt sind, im Project Magic arbeiten durfte, haben wir unsere Zielgruppe gewechselt. Für die Kinder war das Thema eigentlich „ausgelutscht“. Fast immer die selben Kinder, deren Krankheitsbild von Jahr zu Jahr sich im negativen Sinn geändert hat. Die Kunststücke sind vom Potential eingeschränkt, so das die Äußerungen“: Schon wieder das gleiche!“ das Projekt zum „AUS“ brachten.
Der Gedanke, mit Erwachsenen zu arbeiten, war schon vorher geboren. Diesen Gedanken jedoch der Klinikleitung zu verkaufen, brauchte einiges Verhandlungsgeschick. Schließlich bekam ich das >JA<. Das Krankheitsbild der genannten Zielgruppe geht vom Schlaganfall, bis eben zu der bekannten progressiven Muskeldystrophie. Der Vorteil mit den Erwachsenen zu arbeiten besteht darin, das der Aufenthalt im Schnitt 3 bis 4 Wochen dauert. Es besteht also ein ständiger Wechsel der Patienten.
Was können wir mit ihnen alles erarbeiten? Zunächst sei gesagt, das ich das Projekt alleine durchführe. Ich brauche keine Hilfe, was mir viel Gestaltungsfreiraum lässt.
Bei den genannten Krankheitsbildern besteht natürlich eine Störung der Feinmotorik. Ohne in die Arbeit der Ergotherapeuten einzugreifen, versuche ich hier die richtigen „Kunststücke „ herauszufinden. Da ich gelernter Masseur und med. Bademeister bin, kann ich mit meinen Kenntnissen in der Zauberei und auch vom Krankheitsbild her hier, so denke ich, gut eingreifen. Aber bei allem sehe ich den Faktor Spaß auch mit an erster Stelle. Ich denke, das es nicht unsere Aufgabe ist, hier ergotherapeutisch tätig zu werden und zu versuchen einen heilen Menschen zu „zaubern“.
Vielleicht löse ich mit diesen Gedanken eine Diskussion aus, die einen Nachgeschmack erzeugen könnte. Das wäre jedoch nicht in meinem Sinn. Ich sehe das nur von meiner Sicht und von meiner Arbeit aus.
Die Frage, die allen, die an unserem Projekt interessiert sind, was machen oder besser gesagt, was zeigen wir unseren „Kunden?“ Bei der Problematik der Kürze der Zeit, der persönlichen Fähigkeiten sowieso, aber auch der Frage des Trickverrats (da möchte ich gleich noch mal Stellung zu nehmen), was bleibt da noch übrig, als das was in unseren –Lehrbüchern- steht.
Ich habe in meinem Programm die:
Springenden Gummis,
die Zauberknoten,
die Schwammbälle
und Luftballons modellieren
abgestimmt.
Es sind ausgefüllte Abende, jeweils Montag von 19.00 bis 20.00 Uhr. Zu kurz kommt auch nicht das Gespräch. Der eine oder andere erzählt schon mal über seine Sorgen, was auch ein Teil unseres Programms sein sollte.
Während dieser Stunde, zeige ich hin und wieder ein oder zwei Kunststücke, um den Abend etwas lockern, unter anderem den Tücherwechsel mit der DS. Ein Kunststück, das bei den Patienten immer große Wirkung zeigt. Wenn jemand dabei ist, dem ich das von seiner Motorik auch von seinem Interesse her zutraue, dann zeige ich ihm dieses Stück und verkaufe dann auch die Requisiten dazu. (zum Einkaufspreis. Das haben Kollegen aus meinem Zirkel erfahren und mir Vorwürfe gemacht. Ich würde „Trickverrat“ begehen. Ich denke, wir stehen alle unter diesem „Druck“. Wie geht Ihr damit um, wo sind die Grenzen des Trickverrats? Ein sehr heißes Thema.)
Euch allen eine gute Zeit und gute Erfolge.
Werner Puschmann
Im Februar 2004 fand für Lehrer, Erzieher und Therapeuten in Landstuhl unter der Leitung von Herrn Mike Petry eine Fortbildung zum Thema Zaubern in der Therapie u.a. mit Bau von Requisiten statt.
Nach dieser Fortbildung gründeten zwei Lehrer und eine Ergotherapeutin eine Zauber- AG, die sich wöchentlich einmal trifft. Derzeit nehmen 10 Kinder daran teil, mit dem Ziel im Februar 2005 ihren ersten Auftritt zu absolvieren.
Herr Petry zauberte den Kindern Dinge vor, die sie kaum glaubten selber mit ihrer Behinderung zu beherrschen, aber sie sind auf dem besten Wege. Unterstützt werden sie weiterhin von den Lehrern und der Therapeutin. Herr Petry, selbst Pysiotherapeut und Zauberer hilft mit Tipps und Tricks aus.
Therapeuten des Fachkrankenhaus Neckargemünd, der Stiftung Rehabilitation Heidelberg ( SRH ) nahmen im Juli 2007 an einer Therapeutenschulung für Project Magic teil. Eine zweite Trickbook 1 Schulung fand im Oktober 2007 statt. Die Fachklinik bietet im Bereich der neuropädiatrischen Rehabilitation sowie der Akutversorgung in einem Pilotprojekt innerhalb der Circusgruppe auch das Zaubern als alternatives Therapiemedium an. Weitere Schulungen sind in der Einrichtung geplant. Der Aufbau einer klinikeigenen Zaubergruppe wird in Kürze umgesetzt.
Das Gruppenfoto zeigt die 12 Kursteilnehmer und die Dozenten vor ihren Therapieräumen in der Physiotherapie
In der Zeit von September 2005 bis Juli 2006 hatte ich eine Konzentrations- und Sozialtrainingsgruppe - mit 4 Kindern 3 Jungen und 1 Mädchen im Alter von ca. 8Jahren- mit der ich ein neues Konzept durchführte. - Wir zauberten! Zwei der Kinder haben die Diagnose ADHS.
Zuerst musste sich jeder eine Zauberkiste und einen Zauberstab basteln, denn ohne diese wichtigen Utensilien ging gar nichts. Wir trafen uns einmal die Woche für eine Zeitstunde. Anfänglich war es schwierig Ruhe in die Gruppe zu bekommen. Aber mit einem neuen Zauberkunststück war es dann recht einfach. Es wurde probiert bis das es klappte. Jedes Kind fand für sich heraus, was ihm Spaß machte. Schnell wurde klar, dass wir zum Abschluss der Gruppe den Eltern zeigen wollten, was in dem Zeitraum gelernt worden war. Wichtig war auch für die Kinder, dass die Eltern nicht erfuhren, welche Zauberkunststücke wir lernten und einübten. Wir stiegen durch Postkarten und zauberten Palmen; wir zauberten aus einem Papierstreifen einen ganz großen und auch Handschellen in groß; wir zeigten, dass wir zu den Elf-Finger-Menschen gehören und erzählten die Geschichte von der Feenrakete, die wir dann auch steigen ließen.
Als dann die Abschlussvorstellung soweit war, war die Anspannung bei den Kindern so groß, dass selbst ich es kaum aushielt. Die Vorstellung war ein voller Erfolg. Die Eltern, Geschwister und Großeltern kamen und staunten, über das was ihre Kinder vorzauberten. Es klappte alles und mit nur einer kleinen Panne wurde die Vorstellung zu einer runden Sache. - Auch die Einladungen für unsere Vorstellung wurde von den Kindern selbst geschrieben und gestaltet, was für den ein oder anderen fast eine Herausforderung war. Es war auf jeden Fall ein Projekt, dass ich wiederholen werde.